Mittwoch, 11. September 2013

Auf der Labour Ward



Es war echt schön wieder auf einer Station zu arbeiten, näher an und mit den Patienten, dieser Kontakt hat mir im Labor gefehlt.


Wie auf den Stationen zuvor habe ich hier den Hebammen assistiert, habe die Herztöne des ungeborenen Babys gehören, die Wehen gefühlt, Blutdruck und Temperatur der Schwangeren gemessen und mich um die Apothekenbestellung gekümmert. Bei Geburten habe ich der werdenden Mutter den Kopf gestützt und dann das Baby in Empfang genommen und gewogen. Es ist ein unglaublich schönes Gefühl ein Neugeborenes in den Armen zu halten. Die erste Geburt – ich hatte fast Tränen in den Augen.
Hope
Wenn ich es dann versorgt der Mutter in die Arme gelegt habe, hat diese sich riesig gefreut und schien die Schmerzen der Geburt vergessen zu haben.
Die frische Oma des Babys hat vor Freude angefangen zu tanzen, die typischen, afrikanischen Freudenlaute von sich zu geben und sie hat mich umarmt. Ich dufte dieses Glück so nah miterleben und es hat auch mich erfüllt. Die bisher schönste und rührendste Geburt habe ich heute erlebt. Die junge Mutter war nach der Entbindung richtig erschöpft, hat meine Hand gedrückt und mich angelächelt. Während sie von der Hebamme versorgt wurde, habe ich den kleinen Mann auf dem Arm gehabt und durfte mir einen Namen für ihn überlegen! Ich habe mich für „Hope“ entschieden. Ob ich glücklich sei, fragte mich die Hebamme. Das war ich, mehr als glücklich!
Hope's Familie am nächsten Morgen

Jeden Freitag kommen Mütter mit Babys, die ein Geburtsgewicht von weniger als 2500g hatten. Die Babys werden gewogen, es wird kontrolliert ob sie gut zunehmen und ob die Mütter sie richtig tragen, was sich Känguru-Mother-Care nennt (Damit die Babys keine Energie in die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur pumpen müssen, werden sie nackt auf die Brust der Mutter gelegt und mit Chitenje fest gebunden.).

 
Auf der Labour Ward werden auch die kranken Neugeborene versorgt. Meist leiden sie an Neugeborenen Sepsis, die sie das Leben kosten kann, wird sie nicht schnell genug erkannt und behandelt. Oft liegt ein Neugeborenes beatmet und mit Magensonde im Brutkasten zwei Mal habe ich es miterlebt, dass das Baby zu schwach war um gegen die Sepsis anzukämpfen. Der Tod eines Neugeborenen hat mich lange beschäftigt, wollte mich nicht los lassen.

Von der Labour Ward aus bin ich öfter mit im OP gewesen, bei zwei Kaiserschnitten und einigen Ausschabungen. An einem Dienstagmorgen (OP-Tag) war wie üblich Stromausfall, als er dann gegen 11 wieder kam, sollte es im OP los gehen und ich brachte eine junge Frau, die eine Ausschabung brauchte, in den Vorraum. Sie fragte mich, was passieren würde, ob es wehtäte. Sagte mir, dass sie Angst habe und bat mich bei ihr zu bleiben. Als der Clinical Officer dem zustimmte, war sie so dankbar und erleichtert, sie lächelte wieder. Und ich war so froh für sie da sein zu können.

Auf dieser Station habe ich ganz besonders erlebt, wie nah Leben und Tod beieinander liegen, und dass der Tod zum Leben dazu gehört.

Kurztrip in den Norden Malawis



voll, voller am vollsten
Anfang Mai kamen Katrin und Anna-Michelle nachmittags nach Madisi um unser Projekt zu sehen und mich einzusammeln.
Am nächsten Morgen brachen wir um sieben Uhr auf, denn gegen halb acht sollte der erste Big-Bus Richtung Mzuzu durch Madisi fahren, sollte. Wir saßen bis zehn am Depot, bekamen einige Angebote von Minibussen, dann sogar von einem LKW. Kurz bevor wir einsteigen wollten kam: Der Bigbus!
die Straße im Norden
Pickepacke voll, aber irgendwie brachten sie es fertig uns drei plus Rucksäcke in den Innenraum des Busses zu bekommen. Es war die beste Busfahrt, die ich bisher erlebt habe. Die beiden Kassierer waren zu Scherzen aufgelegt, bedienten sich an unseren Guaven und gaben uns von ihren Schokokeksen ab. Wir standen ganz vorne und hatten so eine gute Sicht auf die Straße und die Landschaft. Je nördlicher es wurde, desto grüner, bewaldeter und bergiger wurde es. Die Straßen schlängelten sich durch die bergige Landschaft und um Mzuzu gab es sogar Nadelwälder!
Angekommen in Mzuzu gönnten wir uns eine kurze Pause an der Lodge, und brachen dann auf in die Stadt und auf den Markt. Der Abend an der Lodge wurde gemütlich und dreisprachig, denn wir saßen mit einer Niederländerin und einem Malawier zusammen.
In aller Frühe ging es am nächsten Morgen los zum Busdepot um einen Bus nach Chitimba zu bekommen, Ziel: Livingstonia.
Blick über das Tal und den See
Die Minibusfahrt kam einer Achterbahnfahrt sehr nahe, super schnell ging es um Kurven und bergauf und –ab. Glücklich in Chitimba angekommen empfing uns eine drückende Schwüle und wir waren froh als wir im Auto saßen und es den Berg hoch nach Livingstonia ging und die Luft angenehmer wurde. Von unserer Lodge waren es noch schätzungsweise 2,5h bis ganz nach oben zur Livingstiona Mission. Doch vor diesem Aufstieg machten wir eine Pause, bauten das Zelt auf und genossen die Sicht übers Tal hin zum Malawi-See.
 

Kaffee!
Der Weg führte uns vorbei an den Manchewe Falls, den höchsten Wasserfällen Malawis und an Kaffeepflanzen. Das Rauschen der Fälle hörte man schon von weitem, die Wassermassen zu sehen und zu hören war unglaublich schön. Ich stand staunend da, fragte mich, warum ein Wasserfall nie versiegt, woher das ganze Wasser kommt.

Livingstonia CCAP Church
der Innenraum

Ganz oben angekommen waren wir recht erschöpft, aber zufrieden. Die Aussicht und die Landschaft waren fesselnd, die Anstrengung hatte sich gelohnt. Die Kirche war leider geschlossen, aber durch die Fenster ließen sich Fotos machen, sodass wir den wunderschönen Innenraum doch sehen konnten.
Etwas unterhalb von Livingstonia besuchten wir kurz die Familie eines Laboranten, die sich riesig über die Grüße aus Madisi freuten.
Am Abend fing es leider an zu regnen und wir zogen unter ein Vordach um und schliefen auf der Rundbank.


Den Abstieg wollten wir nicht wieder im Auto verbringen und so machten wir uns zu Fuß auf den Weg die Serpentinen bergab. Auf dem Weg wunderten wir uns, warum Kinder, die zuerst hinter uns gelaufen waren, nach einer Kurve vor uns liefen, ohne an uns vorbei gegangen zu sein. Doch dann nahm uns ein junger Mann mit, zeigte uns die Short-Cuts. So kamen wir wesentlich schneller voran, brauchten allerdings auch alle viere. 

Ein Monat im Labor



ein Blick ins Labor
Nach den Ostertagen habe ich im Labor angefangen. Weil gleichzeitig Monatsanfang war mussten die verschiedenen Testregister durchgezählt werden und die Zahlen in Tabellen übertragen werden, womit ich sogleich beginnen konnte.
Richtig klasse war es zusammen mit einem Laboranten Objektträger mit dem Sputum von möglichen Tuberkulosepatienten zu benetzen. Danach wurden die Träger mit zwei verschiedenen Chemikalien behandelt um die möglichen Tuberkuloseerreger sichtbar zu machen. Die Proben von diesem Tag waren alle negativ. Damit ich Tuberkuloseerreger einmal gesehen hatte, hat der Laborant einen Objektträger, auf dem positives Sputum nachgewiesen wurde, aus der Kartei geholt und mir die Erreger unter dem Mikroskop gezeigt.

Immer wieder kamen Patienten, die auf HIV getestet werden sollten. War der Test negativ, habe ich mich so sehr gefreut, aber er war nicht immer negativ. Manchen Patienten habe ich angesehen, dass sie schwer krank sind und es wunderte mich nicht, als das Ergebnis positiv war. Dennoch hat mich das Schicksal der Menschen sehr berührt und betroffen gemacht. Wären sie früher zum Test gekommen, dann hätte man ihnen mit den ARVs noch gut helfen können.

Eine Woche lang hatten wir keine Malariaschnelltests, sodass ein Ausstrich auf einen Objektträger gemacht werden musste. Ich habe die Träger mit Chemikalien behandelt, die es möglich machen verschiedenen Zelltypen voneinander zu unterschieden.
In dieser Zeit habe ich die Parasiten der Malaria tropica in verschiedenen Stadien unter dem Mikroskop gesehen, was echt spannend war.

die verschiedenen Proben für die Kreuzprobe
An meinem letzten Tag habe ich zusammen mit einem Laboranten eine Kreuzprobe durchgeführt. Diese sollte vor jeder Bluttransfusion durchgeführt werden, um Unverträglichkeiten zwischen Spender- und Empfängerblut ausschließen zu können, da sie aber sehr zeitaufwändig ist und es oft Notfallpatienten sind, die eine Transfusion brauchen, kann diese genaue Probe nicht immer gemacht werden. 



Die Zeit im Labor war wirklich klasse, ich habe alles, was es zu sehen gab erklärt bekommen, durfte vieles selbst machen und wurde so herzlich im Team aufgenommen, habe sogar einen eigenen Kittel bekommen J.

Zu gehen fiel mir nicht leicht. Mit jedem Stationswechsel merke ich, dass es weiter geht, dass ein Jahr ganz schön schnell vergeht.


Samstag, 15. Juni 2013

Die Ostertage in Madisi

Ostern einmal ganz anders erleben, viel intensiver. Mit ein paar liturgischen Schönheitsfehlern ;)

Palmsonntag
die Prozession zur Kirche
Der Palmsonntagsgottesdienst hat auch hier draußen begonnen, allerdings nicht an der Kirche, sondern ungefähr einen Kilometer entfernt auf einem Fußballplatz. Die Sonne knallte und alle haben richtig geschwitzt als das Evangelium gelesen wurde und die echten Palmzweige gesegnet wurden. Diese lagen auf einem großen Haufen auf dem Platz und wurden mit Weihwasser gesegnet, dann wurde der Haufen umgedreht, damit auch die unten liegenden Palmzweige Weihwasser abbekamen.  Die Palmzweige wurden verteilt und die Prozession begann, die, je näher wir der Kirche kamen, immer länger wurde. Einige Menschen standen auch am Straßenrand, haben zugesehen wie wir tanzend, singend und Palmwedel schwenkend zur Kirche gezogen sind. Es war ein unglaubliches Gefühl mit so vielen, ihre Freude richtig zum Ausdruck bringenden Menschen, von denen so gut wie jeder seinen Palmzweig geschwenkt hat, bei starker Sonneneinstrahlung und ein bisschen Gedränge diese Prozession zu gehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass es damals in Jerusalem ähnlich war. 

Gründonnerstag
Fußwaschung
Um sechs Uhr abends, als es schon fast ganz dunkel draußen war, begann die Gründonnerstagabendmesse. Zum Gloria wurde geschellt und das Keyboard hat gespielt. Allerdings ist es nach dem Gloria nicht verstummt. J Ich habe hier zum ersten Mal eine Fußwaschung miterlebt. Zwölf Männern, die sich auf die Stufe vor dem Altar gesetzt haben, hat der Priester die Füße gewaschen, ein wirklich starkes Zeichen dafür, dass Jesus uns an der Gemeinschaft mit ihm teilhaben lässt. Nach dem Gottesdienst wurde das Allerheiligste in eine Seitenkapelle der Kirche gebracht und es fand eine Anbetung statt. Von drei Gemeinden war jeweils eine kurze Anbetung vorbereitet und jeder der wollte konnte daran teilnehmen. Für mich war die Anbetung zu sehr gefüllt mit Liedern und Texten, für persönliche Gebete in Stille war leider fast kein Raum.

Karfreitag
Gegen acht Uhr morgens sind Christina und ich mit Kopfbedeckung, eingeschmiert mit Sonnenmilch und einer Tasche voller Wasser und Traubenzucker aufgebrochen um an dem Kreuzweg teilzunehmen. Dieser hat ca. 10km von Madisi entfernt an einer Kirche begonnen. Dort wurde die Leidensgeschichte Jesu bis zur Auflegung des Kreuzes nachgespielt.  Als Jesus das Kreuz aufgelegt wurde, sind wir losgegangen. Auf dem Weg haben wir Lieder gesungen und sind 14 Mal angehalten um uns an die Kreuzwegstationen zu erinnern. An den Stationen wurde nachgespielt, was passiert ist, dann haben sich alle hingekniet und wir haben gebetet. Nach den ersten Stationen war mir nach dem Knien echt schwindelig und ich war mir nicht sicher, ob ich bis zum Ende durchhalten würde. Doch mit der Zeit wurde es immer besser, als hätte sich mein Körper an Anstrengung gewöhnt.
auf dem Weg zu einer der letzten Kreuzwegstationen
Schön war es, dass viele Freunde und Bekannte mitgegangen sind, die mir stets ein Lächeln geschenkt haben, wenn wir gerade neben ihnen gegangen sind. Das, und mein Wille es durchzuhalten haben mir Kraft gegeben und mich immer weiter gehen lassen, bis zur letzten Kreuzwegstation, die wir um halb drei an der Kirche in Madisi erreichten. Nach einer kurzen Pause zu Hause, in der es hieß zu trinken und sich möglichst vom Staub zu befreien, sind wir um drei zur Leidensandacht in die Kirche gegangen. Das Keyboard hat gespielt und ich habe mich, der Stimmung in der Kirche nach, nicht so gefühlt, als wäre Jesus gerade gestorben. Doch das müde Gefühl in den Beinen, der pochende Kopf und das Lesen der Passion haben mich wissen und spüren lassen, dass Jesus für uns gelitten und gestorben ist. Bei der Kreuzverehrung ging es leider Schlag auf Schlag. Ich habe es gerade geschafft mich hinzuknien und zu verneigen, da hat der Kirchenschweizer schon in die Hände geklatscht zum Zeichen, dass die nächsten „dran waren“.

Karsamstag und die Osternacht
Nachdem wir unsere letzten Einkäufe erledigt hatten, haben wir 30 Eier gekocht und diese angemalt. Wofür?, das kommt erst später. J
Christinas und meine Osterkerze
Da es hier schon wesentlich früher dunkel wird, hat auch die Osternacht früher angefangen. Um sechs Uhr standen wir mit unserem Choroutfit und dem Chor und der Gemeinde vor der Kirche. Die Osterkerze wurde mit dem Feuer des gesegneten Osterfeuers entzündet und alle sind hinter ihr in die Kirche eingezogen. Leider wurde die Stille und das Andächtige dieser Nacht durch das Drängeln und Schnattern der einziehenden Gemeindemitglieder gestört, es schien das Wichtigste zu sein einen guten Sitzplatz zu bekommen. Während des Exsultets haben Frauen und Mädchen in zwei Kreisen um die die Osterkerze gestanden und getanzt. Die in dem einen Kreis hatten Kerzen in den Händen, die im anderen Kreis Blütenblätter. Abwechselnd sind die mit den Kerzen zur Osterkerze getanzt und haben die Kerzen dabei in die Höhe gehalten, und dann sind die mit den Blütenblättern zur Osterkerze getanzt und haben die Blütenblätter geworfen. Es war ein wunderschönes Bild!
Zum ersten Lied ging das Licht an und das Keyboard hat  gespielt…das Gloria hatte dadurch für mich nicht mehr etwas so Besonderes, Feierliches, Erfüllendes. Außerdem war es das gleiche Gloria wie jeden Sonntag. Doch die folgenden Lieder wurden immer fröhlicher, ansteckender und in mir hat sich die Osterfreude immer wieder ausgebreitet.
Das Wasser, das geweiht wurde, stand in 4 Eimern am Altar und wurde vom Priester durch ein, ins Wasser gezeichnete Kreuz, geweiht. Danach ist er mit einem Messdiener und einem Eimer durch die Kirche gegangen und hat die Gemeinde damit gesegnet.
Als Christina und ich aus der Kirche nach draußen gegangen sind, waren wir beide ganz erfüllt von der Freude über die Auferstehung Jesu.

Ostersonntag

unsere Osternester
Am Nachmittag sind wir mit kleinen Osternestern als „Osterhasen“ durch Madisi gelaufen und haben sie an unsere engsten Freunde verschenkt. Alle haben sich unglaublich gefreut, haben sich bedankt und uns zum Abschied gesagt: „Gott segne euch!“ Ich finde es richtig schön, dass die Menschen sich hier so über eine kleine Aufmerksamkeit freuen. Da macht das Beschenken noch viel mehr Freude! Am Abend bekam ich sogar noch eine Dank-SMS mit den Worten „You made my day.“